Eine genuine Aufgabe von Wissenschaft

„Die terminologischen Wirren sind nun leider mehr als ein Schauspiel, das man sich amüsiert und gelassen ansehen kann; sie haben durchaus unerwünschte Folgen. Semantische Unklarheiten erzeugen Missverständnisse, Orientierungsunsicherheit und Verständigungsprobleme. Wann immer über Gemeinsamkeit gesprochen und verhandelt wird, müssen sich die Teilnehmer erst umständlich wechselseitig erklären, was sie denn in Wahrheit mit dem jeweiligen Begriff inhaltlich meinen. […] In dieser unerfreulichen Lage sind analytische Klärungen sinnvoll und notwendig. Es ist eine genuine Aufgabe von Wissenschaft, sich dieser Begriffsklärung anzunehmen und für etwas mehr Ordnung im terminologischen Inventar zu sorgen.

[…]

Wenn ein neuer Begriff die öffentliche Bühne betreten will, dann muss er sich zuvor beweisen. Der „Neue“ steht in der Pflicht, überzeugend darzulegen, dass der alte Begriff untauglich geworden und der neue einfach besser ist. An der Wiege eines Begriffwechsels oder –wandels steht ein unwiderstehlicher Abgrenzungszwang.“

Wocken, H. (2010). Integration & Inklusion. Ein Versuch, die Integration vor der Abwertung und die Inklusion vor Träumereien zu bewahren. In: Stein, A.D., Krach, S. & Niediek, I. (Hrsg.). Integration und Inklusion auf dem Weg ins Gemeinwesen. Möglichkeitsräume und Perspektiven. Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt, 204-235. 

Jugend als Zwischenlagerung

„Jugend ist ebenso ein Phänomen der Zwischenlagerung im Hinblick auf die in der Adoleszenzphase stattfindende Kompetenzentwicklung und die Lösung aus der Herkunftsfamilie (Erikson, Piaget, Habermas), und sie ist dies auch in generationsspezifischer Hinsicht: Sie ist der soziale Ort der (kollektiven) Verarbeitung des Erfahrungsumbruchs von einer Generation zur anderen (vgl. dazu vor allem Mannheim 1964b).“

Bohnsack, R. (2005). „Social Worlds“ und „Natural Histories“. Zum Forschungsstil der Chicagoer Schule anhand zweier klassischer Studien. ZBBS, 6 (1), S.112